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Ägina - und die Sehnsucht nach einem Haus

Als ich mit meiner MS-Freundin letztes Jahr über die Planung sprach, sagte sie nur: 'Wie willst du das schaffen, in Griechenland sind um diese Zeit locker 30 Grad!' ---  Wir wusste da noch nicht, dass es hier in Deutschland genau so heiss wird.

Elena, eine Teilnehmerin meiner Vinyasa-Klassen, sie ist selbst auch Yoga-Lehrerin, hat diesen wunderbaren Kontakt zu einem Haus auf einer kleinen Insel vor Athen und fährt mit ihren Schülern jedes Jahr auf die Insel. Sie fragte uns, ob wir nicht Lust hätten mitzukommen und zwei Freundinnen führen mit, ich dann doch nicht, ich hatte Angst vor der Hitze. Als sie wieder zurückkamen, schwärmten sie mir von dem Haus und von dem Essen vor, so wurde ich doch neugierig und war dann doch die Erste, die sich für das nächste Jahr anmeldetet. 

Ich kann aber nicht leugnen, dass mir ein wenig mulmig kurz vorher wurde, ohne meinen Freund, der (fast) immer weiss, wann ich Hilfe brauche, die Anreise mit Flug, Übernachtung in Piräus und morgens mit Gepäck auf die Fähre und dann der Weg zum Haus. All das stand mir bevor. Aber meine Mädels versprachen mir Unterstützung und so ging es los. 

Am Flughafen und im Flugzeug war für mich erst einmal wieder der Weg zur Toilette wichtig und in Athen erwartete mich eine leichte Prise Hitze mit der ich mich auf der Taxi-Fahrt nach Piräus anfreunden konnte. Abends trafen wir dann alle in einem Hafen-Restaurant zusammen und stimmten uns für den nächsten Tag ein. Am nächsten Morgen ging auf die Fähre und da war für mich so der erste Moment, in dem ich erschöpft auf einen Stuhl sang und gegen den Horizont schaute. 

Das Gepäck, die Menschenmassen um mich herum, unbekannte Situationen und die zu überblicken, schauen wo die Anderen gerade sind und wo ich hin musste..... all das war sehr anstrengend, aber das Meer und sein Geruch, die Farben und das Licht stimmten mich immer wieder auf. Angekommen, noch mal das Gepäck suchen und in der Hitze zu Taxi laufen war dann doch Anstrengendste der Reise und bis wir im Taxi saßen und zu unserem Haus gefahren wurden, dauerte es auch noch.

Das Haus, ein Gebäude von 1850, wirkte ruhig und einladend auf mich. Wir hatten das Glück, dass wir die Ersten mit dem Taxi sein durften und als ich den Salon betrat, musste ich mich erst einmal hinsetzten und heulen.

Ob es die Erschöpfung war oder einfach nur pures Glück in diesem Haus zu sein.... es kann beides gewesen sein, aber ich war verzaubert und sofort eins mit dem Gebäude und bei der Zimmervergabe hatte ich dann noch einmal das Glück, für mich das schönste Zimmer zugewiesen zu bekommen.

Da war ich nun, mein kleines Paradies für mich alleine. Da war es mir auch egal, dass wir uns ein Bad auf der Etage teilen mussten. Es war kein Hotel. Das Haus wurde liebevoll, geschmackvoll und sehr reduziert von den Besitzern eingerichtet und für Seminare vermietet. Zu unserem Team gehörten auch zwei bildhübsche Köchinnen, die für das Frühstück und dem Abendessen zuständig waren und uns verwöhnten.

Das war der erste Tag mit all seinen Strapazen und Anstrengungen, aber auch das Freisein. Ich vermisse den Süden und auch die Wärme. Herrn Uthhoff habe ich auch erst im Sommer 2018 bewusst kennen gelernt und Hitze hatte mir bis dato nicht ausgemacht, aber nun hatte ich Respekt wie es sein würde. 

Alle Teilnehmerinnen, die schon das Haus kannten, erzählten immer von dem Vorhaben, mindestens einmal in dieser Woche, morgens um 6 Uhr den Weg runter zum Meer zu gehen, ein Kleiner Pfad von 10 Minuten Fussmarsch, und vor dem Yoga und Frühstück, ins Meer einzutauchen. Das konnte ich mir auch gut vorstellen, aber schaff ich den Weg?

Am nächsten Morgen wurde ich schon sehr früh wach, die Nacht war nicht so angenehm, weil ich mich immer erst an das neue Bett gewöhnen muss, machte ich mich einfach mal mit Stock und Hut und Bikini auf den Weg zum Meer. Der Weg war bezaubernd, ruppig und roh wie im Süden üblich, rechts und links mit wunderbar blühenden Pflanzen, die mir duftend in die Nase stiegen, Vögelstimmen begleiteten mich und auf der Erde konnte ich so viele kriechende Völker entdecken, die sich nicht um uns Menschen kümmerten und in ihrem eigenen Universum lebten. Es war herrlich! Und dann sah ich das........

 

Kristallklares Wasser, ganz ruhig, fast spiegelglatt mit einer angenehmen Kühle, ganz seicht reinzugehen.... Perfekt!

Der 'Tote Mann' wurde mein Begleiter, jeden Morgen früh aufstehen, den Weg hinter gehen und mich ins eiskalte Wasser legen, bewegungslos entweder die Augen schliessen oder in den blauen Himmel schauen, wurde zu meiner ersten Praxis, mein morgendliches Ritual.

Anschliessend bekamen wir eine klassische Hatha-Klasse von Elena, die uns für den Tag stärkte und vereinte, zu einer Gruppe. Wir kamen zusammen, 12 Frauen, mit unterschiedlichen Geschichten, Alter, Intentionen und Wünschen. Durch das Yoga kamen wir zusammen und lernten uns kennen. Natürlich ist das nicht immer leicht, aber es kann auch urkomisch sein. Jeder brachte sein Temperament mit und jeder respektierte den Anderen. Das ist das Schöne an einem Yoga-Retreat.