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Mein erstes Yoga-Retreat in Holland


....und schaff ich das überhaupt mit meiner MS? Hab ich genug Kraft für das Wochenende und wie fühlt es sich überhaupt an, ein Yoga-Retreat ausserhalb meiner Comfort-Zone zu leiten. Ich war ganz schön aufgeregt!

Die Lehren des Yogas zu unterrichten, ganz egal ob mit MS-Yogis oder auch mit Schülern ohne Einschränkungen, ist eine wundervolle Tätigkeit und für mich sogar ein großes Geschenk. Nicht nur, dass ich das große Glück hatte, meine Lehrer in New York zu finden, sondern auch weil ich jeden Tag und immer wieder die Herausforderung annehmen 'muss' auf die Matte zu gehen. Mich immer wieder aufzurichten, meine inneren Balance und Stärke zu beanspruchen und dafür auch noch bezahlt zu werden! Besser geht es doch garnicht.....  

Aber was heisst es, mit einer Gruppe von Yogis, die alle super fit und gesund sind, von Freitag bis Sonntag nach Holland zu fahren und sie dort zu unterrichten. 

Rundum Yoga, die Schule in Düsseldorf, dort wo ich unterrichte, hat seit kurzen eine Dependance in Edmond/Binnen in Holland, die uns ermöglich mit unseren Schülern Wochen- oder Wochenend-Retreats zu geben. Eine wunderschöne Location im schnuckeligen Edmond. Ein Traum! Jeder reist mit seinem Auto an und bucht sich auch selbst ein Unterkunft. Wir bieten morgens und abends Yoga-Klassen an und gehen gemeinsam an den Strand, meditieren und geniessen auch die Zeit in einer Strandbude mit Pommes und was auch immer.......

Mein Retreat stand jetzt unter dem Motto 'Kraft und Gelassenheit' und wurde mit Vinyasa-Yoga (für Kraft) und Yin-Yoga (für die Gelassenheit) ausgefüllt. Yoga-Stile, die ich auch hier in Düsseldorf über die Woche unterrichte. Kein großes Ding, soweit.

 

Aber ich war nun auch für meine Teilnehmer verantwortlich und wollte auch, dass es ihnen gut geht und sie eine gute Zeit haben. Und davor hatte ich ganz schön Respekt.

Gott sei Dank hatte ich meine Freund und meinen Hund als Begleitung dabei, die mich fuhren (ich hatte die Kontrolle der Wegführung abgegeben) und ausserhalb der Yoga-Schule für mich da waren.

 

 

Doch als ich das erste Mal die Yoga-Schule betrat, wusste ich, dass wir eine phantastische Zeit haben werde, so schön ist dieser Raum und alles was wir brauchten war da. Ohne Komplikationen. Es funktionierte auch alles und das ist nicht selbstverständlich, denn egal wo man hinkommt, meistens gibt es am Anfang immer Hindernisse zu überwinden um ans Ziel zu gelangen.

Und nach dem Freitagnachmittag so langsam alle ankamen und alle erst einmal die Schule bewunderten, begannen wir mit einer ruhigen, sanften aber kräftigenden Praxis, die erst einmal die 3 Stunden Autofahrt ausrichtet und uns auch ankommen lies.

Abends hatten wir einen Tisch in einem großen Strandrestaurant und konnten quatschen, trinken, essen und den Strand geniessen. Jeder von uns fiel danach glücklich ins Bett und ich konnte auch mit einem guten Gefühl und mit Freude auf den nächsten Tag einschlafen. 

 

Am nächsten Tag folgten morgens eine Vinyasa-Klasse, anschliessend zum Strand, eine kurze Pause für jedermann und gegen den frühen Abend eine lösende Yin-Klasse mit Elementen an der Wand.

Da unser Wochenende ungeplant auf das ESC-Wochenende fiel und die Holländer unter den Favoriten gebucht waren, vermutete ich, dass in Edmond-Binnen bestimmt Partystimmung zu finden war, aber das Gegenteil erwartete uns. Wir waren fast alleine mit unserer 9 köpfigen Truppe im Restaurant, weil alle Zuhause vor dem Fernseher saßen und wir dann später auch... 

 

Am Sonntagmorgen beendeten wir dann unsere Wochenende im Vinyasa mit Ausrichtung an der Wand und blieben noch eine Weile zusammen in der Schule, weil sich niemand so richtig verabschieden wollte.

Es war eine ganz tolle Gruppe, für die ich so dankbar bin. Ich wurde über das Wochenende mit so viel lieber und positiver Energie beschenk, dass ich meine MS überhaupt nicht mehr auf dem Zettel hatte..... OK, bei bestimmten Bewegungen und Standpositionen spürte ich schon meinen Kraftverlust, aber im großen Ganzen hat alles super geklappt. 

 

Aber dann, als wir uns alle verabschiedet haben und jeder in sein Auto gestiegen ist, um auf die Autobahn zu kommen, fiel alles an mir ab. Meine Beine schmerzten wie Hölle und ich hatte das Gefühl, sie nie mehr wieder bewegen zu können. Meine mentale Kraft war von einem auf den anderem Augenblick verschwunden, weg. Ich konnte nichts mehr sagen oder denken. Ich konnte einfach nur stumm auf dem Fenster schauen. Aber doch mit dem Gefühl des Glücks, der Dankbarkeit und auch Vertrauen zu mir, dass ich es geschafft habe! 

Mein erstes Yoga-Retreat!