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Dankbarkeit


Ich muss gestehen, dass ich mir nie so richtig Gedanken zum Thema 'Dankbarkeit' gemacht habe, oder dankbar zu sein.... hatte eigentlich einen leicht beschwerlichen Touch. Aus unserer, vielleicht auch christlichen Erziehung, besetzte ich den Ausdruck 'du muss dankbar sein' mit einer Last. Wann oder warum muss ich dankbar sein?

Als ich 2006 in New York meine Yoga-Lehrer-Ausbildung bei Laughing Lotus machte, bekamen wir zum Beginn kleine Kärtchen mit Fragen ausgehändigt, die wir für uns beantworten musstenMein Einstieg- ich war so aufgeregt! Aber das Kärtchen mit der Frage                                               Why is gratitude so important? How do you express it in your life? verunsicherte mich erst einmal und wurde für mich die Frage, die ich am meisten berührte. Wow! Sie wurde für mich zur 'Herzöffnung', Ich bekam einen ganz neuen Zugang zur Dankbarkeit. Yoga hatte meine Leben total auf den Kopf gestellt und mir auch Fragen gestellt, über die ich eigentlich garnicht so gerne nachdenken wollte, aber ich kam nicht daran vorbei. Ich brachte, zurück aus NY, Dankbarkeit mit in meine Klassen und konnte genau diesen Effekt bei meinen Schülern erkennen. 

Dankbarkeit! Ich hatte so viel wofür ich dankbar sein durfte!

Auf einmal wurde aus 'müssen'  'durfte', wie schön das doch war und so erleichternd. Kein Zwang, sondern einfach nur aus dem Herzen kommend. 

 

Doch was passierte, als die MS langsam stärker in mein Leben eintrat. Meine Blasenschwäche, meine Beine, die nicht mehr so funktionierten, der Verlust auf einem Bein stehen zu können! Nicht mehr mein Vinyasa-Praxis so zu praktizieren, wie ich es gewohnt war, nicht mehr stundenlang durch die Stadt laufen zu können und über alles informiert zu sein.....  Städte habe ich immer zu Fuss entdeckt. Paris, London , New York und San Francisco, alles zu Fuss! All die Dinge, die ich so geliebt habe, sind mir nun genommen worden oder ich muss sie heute anders erleben.

Doch irgendwann merkte ich, dass etwas Neues in mein Leben zog, es wurde ruhiger. Ich merkte, dass ich nicht mehr durchs Leben raste, sondern 'nur' ging. Ich konnte zwar keinem Bus mehr hinterher rennen, aber was soll's, nehme ich den Nächsten. Ich setzte mich auch schon mal auf der Hunderunde auf einen Bank und schaute einfach auf den Rhein. Ich wurde langsamer! Wenn mich zur MS jemand fragte, erklärte ich ihm nur, dass meine Krankheit mich entschleunigte und das war eigentlich garnicht so schlecht. Ich fing nun an, meine Krankheit nicht als meinen Gegner zu sehen weil sie ein Teil von mir war und dazu noch eine Autoimmunkrankheit, Sie zu bekämpfen, hiess für mich, die Zerstörung zu unterstützen. No Way!

Ich möchte damit auch nicht sagen, dass ich der MS dankbar bin, sondern mich mehr auf die Dinge zu konzentrieren, auf die man dankbar sein 'darf'. Ich stelle mir eine Liste vor Augen, mit Dingen, für die ich dankbar bin und jeden Tag kommt ein Teil dazu. Mein Leben ist voll mit wundervollen Menschen, Tieren und Dinge, die mir viel bedeuten, auch wenn ich nicht mehr durch SF rennen kann. Ich hab's dürfen und es ist in meinem Herzen und da ist es sicher ;)

 

Was empfindest Du bei dem Thema Dankbarkeit und wie gehst Du damit um?

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