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Restharn, Blasenschwäche und Katheter


Eigentlich fing alles mit meiner Blase an. OK, als erstes Syndrom hatte ich in den 80igern Füssekribbeln......... aber so kurz vor meinem 50igsten Geburtstag klingelte bei mir die Inkontinenz an der Türe und so kurz vor oder mitten in den Wechseljahren besprach ich das erst einmal mit meiner Frauenärztin, die mir dringend zur Beckenbodengymnastik riet. Den Einwand, dass ich Yoga-Lehrerin bin lies sie dabei nicht zu.

Beckenboden, Mula Bandha setzen, das ist ein grosses Thema in meiner Yoga-Praxis und ich  gebe das auch in Form von Workshops an meine Schüler weiter .......

Und warum klappte es bei mir nicht??

Für mich war das eine sehr schwere Zeit!

Irgendwann sprach ich das dann auch mal bei meinem Neurologen an, der mir sofort eine Einweisung zu einer neurologischen Klinik in Mönchengladbach in die Hände legte. Und schon wieder waren große Fragezeichen in meinem Kopf.

 

Nach der ersten Untersuchung fand man dort dann heraus, dass sich meine Blase nicht richtig entleeren konnte und riet mir zum Einwegkatheter, den ich durch eine Schulung im Hause gerne mal ausprobieren dürfte.

Ok, dachte ich, wenn ich schon mal hier bin, schau ich mir das mal an.

Eine sehr nette, speziell zu diesem Thema ausgebildete Krankenschwester führte mich also in die Welt der Blasenkatheter ein und ich wusste sofort, dass das NIEMALS für mich in Frage kommen könnte. Denn ---ICH WAR JA YOGA-LEHRERIN!

Und werde ganz bestimmt mit diesem Thema klar kommen und wenn dann meine Wechseljahre vorbei sind ist alles wieder normal! .....Hab ich gedacht.......

Darauf hin folgten einige Yoga-Klassen mit immer wiederkehrenden kurzen Pausen, Stadtreisen, in denen ich alle öffentlichen Toiletten kennen lernen durfte, Hunderunden, bei denen mein Hund mir ins Gebüsch folgte und fasziniert davon war.

Es war Stress, jede Nacht zwei bis dreimal aufzustehen, um auf die Toilette zu gehen, ich schlafe im Untergeschoss und muss eine Wendeltreppe hoch zum Bad gehen.

Aber ich wollte immer noch nichts von den Kathetern wissen! 

In meiner MS-Yoga-Gruppe, die sich einmal in der Woche trifft, besprechen wir immer wieder gerne auch solche Themen, ohne zur Selbsthilfegruppe zu werden. Wir tauschen uns aus, auch schon mal während der Praxis und mit viel Humor. Das macht diese Truppe so wunderbar, ich liebe diese Mädels!

Und natürlich bin ich auch nicht die Einzige mit diesem Problem. 

Eine sehr 'wissende' Praktizierende riet mir, dem Katheter doch noch einmal eine Chance zu geben. Sie benutzte ihn jetzt schon seit über einem halben Jahr und schafft es sogar ab und zu ihn ohne Spiegel einzuführen!

Wow! Ich war beeindruckt! Auch von ihrem leichten Umgang mit diesem Thema. 

Aber ich war immer noch nicht bereit dafür!

Bis ich mir in einer meiner Klasse in die Hose pinkelte......

Man oder ICH brauche wohl für solch eine Entscheidung genau solche Auslöser! 

Und so ging ich dann zu einem Urologen, der, nach einer Blasenuntersuchung, mir dringend da zu rat, dem Katheter eine zweite Chance zu geben und er schickte mir auch hierfür sogar eine Katheterschwester ins Haus, sprich in mein Badezimmer. Und dort fühlte es sich schon ganz anders an. Mit viel Ruhe, Geduld und Witz war ich bereit, mit dem Spiegel auf der Brille, den Katheter einzuführen. 

Und dann lernte ich dieses Gefühl zu erstmal lieben! Das Leeren meiner Blase! 

Ich liebe es immer noch! Es gibt nichts Besseres!

Wenn man das Gefühl nicht mehr kennt, eine entleerte Blase mit sich rumzuführen, gibt dir der Katheter absolute Befriedigung.

Also übte ich. Mit Spiegel und viel Geduld! Ich konnte mir nicht vorstellen, das einmal frei und blind auszuführen und es hat bestimmt nahe zu ein Jahr gedauert bis ich mir im Halbschlaf meine Blase entleeren konnte. Alleine nur für dieses Gefühl eine leere Blase zu haben.

Konzerte, Theater und Kinobesuche, Spaziergänge und meine Yoga-Klassen kann ich nun ohne Einschränkungen besuchen und ausführen, ohne diese Angst im Nacken.

Und ich weiss, dass ich mit diesem Thema nicht die Einzige bin.

Ich bin meiner Freundin ewig dankbar dafür, dass sie mir dem Mut und die Tür dafür wieder geöffnet hat und möchte das so gerne weitergeben, an EUCH alle, die diese Tür für sich mal geschlossen haben. 

Es ist nicht schlimm! Es tut nicht weh! Es macht kein Dreck! Es ist befreiend! Ich werde hier auch keine Produktwerbung machen, ich möchte euch nur von meinem Erlebnis erzählen! 

Aber wenn ihr Fragen dazu habt, helfe ich euch gern, so weit es mir möglich ist, weiter.